Chronik

Man schrieb das Jahr 1909 als Kaiser Franz Joseph am 12.August in Bad Ischl die Genehmigung zum Bau eines Staatsgymnasiums im 3. Gemeindebezirk in Wien unterzeichnete - die Geburtsurkunde "unserer" Schule! Am 18. August wurde mit Erlass des k.u.k. Ministeriums für Kultur und Unterricht die Baubewilligung ausgesprochen und ein einmalige Baukostenzuschuss von 50 000 Kronen von der Stadtgemeinde Wien für den auf Staatskosten herzustellenden Neubau gewährt. 

Die stark gestiegene Bevölkerungzahl um die Jahrhundertwende machte es notwendig neue Mittelschulen zu gründen. Im dritten Wiener Gemeindebezirk gab es damals in der Radetzkystraße die k.k. Staatsrealschule (seit 1851, die älteste Realschule Österreichs), das humanistische Staatsgymnasium in der Kundmanngasse (ehemals Sophienbrückengasse) und die Privat-Unterrealschule Karl Rainer (seit 1888) mit einem angeschlossenen Knabenpensionat in der Rasumovsky-und Geusaugasse. 

Noch im selben Jahr begann man mit den Aushebungsarbeiten. So wurde zunächst das RG3 in der Volks- und Bürgerschule im 2. Bezirk mit 50 Schülern in einer Klasse und 6 Lehrern in der Wittelsbachstraße provisorisch untergebracht, da hier Räumlichkeiten frei wurden. Der Unterricht konnte beginnen.  

In den folgenden Jahren nahmen die Schülerzahlen ständig zu und waren bis zum Schuljahr 1913/14 auf 197 Schüler in 5 Klassen angestiegen, 16 Lehrer erteilten Unterricht. Der Neubau des Schulgebäudes wurde 1914 fertig gestellt, wurde aber aufgrund des Ausbruches des ersten Weltkrieges sofort zu einem Reservelazarett umfunktioniert.

Das RG3 blieb also weiterhin in seinem provisorischen Quartier, und plante die ersten Reifeprüfungen für den Sommertermin 1917. In den Kriegswirren war deren geregelte Abhaltung aber nicht möglich, einige Lehrkräfte und später auch Schüler wurden eingezogen und von 17 Schülern der 8. Klasse hatten 15 bereits Einrückungsbefehle - nur 2 Kandidaten konnten die Matura ablegen. Den anderen 15 Kandidaten wurde ohne Prüfung die "Reife" zuerkannt. Bis zum Ende des Krieges trafen immer wieder Gefallenen-Anzeigen von Lehrern und Schülern ein. 

Am 12. November 1918 erklärte die provisorische Nationalversammlung Österreich zu einer demokratischen Republik. Das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie hatte auch auf das Schulwesen einen nicht geringen Einfuss.

Im August 1919 konnte das RG3 endlich in das neue Haus einziehen - nach einigen baulichen Veränderungen, die nach vierjähriger Verwendung als Lazarett notwendig wurden. 282 Schüler wurden in diesem Schuljahr von 23 Professoren unterrichtet.

1919 wurde eine EIternvereinigung die nach dem ersten Weltkrieg die Errichtung einer Gemeinschaftsküche mit Ausspeisung möglich machte. Beheizunssaktionen sorgten für einen ungestörter Unterricht im Winter, gesundheitsgefährdete Schüler wurden ins Ausland, das vom Krieg verschont geblieben war, geschickt. Ab 1920 wurden auch Mädchen zum Mittelschulstudium aufgenommen, doch trotz guter Erfahrung mit der Koedukation wurde die Aufnahme von Mädchen 1931 untersagt.

Die weitere Ausgestaltung des Hauses machte Fortschritte. Ein textiler Werkraum und ein zweiter Zeichensaal wurden installiert, letzterer konnte auch als Musikzimmer verwendet werden. In ihm wurde ein Podium aufgestellt, zunächst als Ersatz für den noch zu bauenden Festsaal. Ferner wurde ein Übungsraum für Chemie eingerichtet, in dem auch physikalische Übungen abgehalten werden konnten. Vielfältig war schon damals das Angebot an Freigegenständen: Chorgesang, Kurzschrift, Französich, naturwissenschaftliche Übungen, Lessesrunden in Deutsch und Englisch, Orchesterübungen, Schwimmen und sogar Fechten. Wandertage, Exkursionen und Lehrausgänge ergänzten den Schulalltag. Aber nicht nur die geistige und musische Ausbildung der Schüler am RG3 war ein großes Anliegen, sondern auch die körperliche Ertüchtigung. Eine Vielzahl an sportlichen Erfolgen bezeugen dies. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass der Schulbesuch etwas kostete -  1933/34 kostete jedes Semester 40.- Schilling.

1934 war das Jahr, in dem das RG3 sein 25-jähriges Bestehen feierte. Der 8. und 9. Juni wurden festlich begangen. Eine Akademie im Theatersaal in der Göllnergasse krönte das Jubiläum. In diesem Schuljahr wurde auch die Höchstzahl an Schülern erreicht. Es waren insgesamt 739 Schüler, davon 51 Mädchen unterrichtet von 43 Professoren - die Schule platzte aus allen Nähten - der richtige Zeitpunkt, um bauliche Änderungen vorzunehmen: Es wurden Garderoben, Gangabteile, Vor-und Übungsräume in kleinere Klassen umgewandelt.  Und auch der Schulhof wurde saniert.

Das Herannahen des zweiten Weltkriegs machten sich schon vor 1938  im Lehrkörper bemerkbar. Lehrer verschwanden, Schülern mussten Abzeichen tragen, worauf zu lesen stand: "Seid einig!" - Einige Lehrer kamen wieder zurück, andere - die jüdischen Professoren und unsere jüdischen Schüler sah man nicht mehr wieder. Die sogenannten "Arier" mussten klassenweise im Schulhof antreten und wurden zur HJ vergattert. Das RGIII wurde umbenannt und hieß nun "Staatliche Oberschule für Jungen". 

In den Schuljahren 1942/43 und 1943/44 mussten zahlreiche Schüler der höheren Klassen als Flakhelfer einrücken. Der geordnete Schulbetrieb wurde eingestellt. Die sechsten und siebenten Klassen wurden aufgelöst. Die übrig gebliebenen Schüler dieser Klassen wurden anderen Anstalten zugeteilt. Eine normale Reifeprüfung war nicht mehr möglich wegen frühzeitiger Einberufungsbefehle. Am Beginn des Schujahres 1944/45 gab es noch 5 Klassen mit 106 Schülern. Von 53 Lehrern waren 38 eingerückt und 7 weitere an anderen Stellen tätig. Als auch auf Wien Luftangriffe durchgeführt wurden, transferierte man eine größere Zahl von Schülern mit Dir. Dr. Poscher und einigen Lehrern in ein Kinderlandverschickungslager in der Slowakei und später - als die Front näher rückte - nach Mariazell. Am 10.September 1944 erfolgte der erste schwere Luftangriff auf Wien.

Unser Schulgebäude erlitt erst Schäden am Schuldach, gefolgt von einer Flakgranate, die einen Kamin, Dachziegel und Dachsparren zertrümmerte bis schließlich am 15. Jänner eine Bombe das Schulgebäude entgültig in Schutt und Asche legte.

 Im Juni J945 begann man in der Hagenmüllergasse mit dem Wegräumen des Schutts, fünf Klassenzimmer und die Lehrsäle für Physik und Zeichnen konnten wieder behelfsmäßig benutzt werden. Die Schule startete den Unterricht mit 8 Klassen und 329 Schülern, doch fehlte es an Lehrkräften - viele waren gefallen oder in Kriegsgefangenschaft. Die Fächer Zeichnen und Sport konnten daher noch nicht unterrichtet werden, von einem normalen Unterricht war man weit entfernt. 

Im Frühjahr 1948 begann man mit der Modernisierung des Schulhauses. Durch den Umbau der ehemaligen Direktionswohnung entstand die Direktionskanzlei, und auch das Konferenzzimmer wurde vergrößert. Während der Sommerferien wurde die Fassade in der Hagenmüllergasse fertiggestellt, im folgenden Jahr wurde der das dritte Stockwerk aufgesetzt und die Fassade restauriert. Auch die elektrische Ausstattung wurde verbessert: Leuchstoffröhren und eine Schulfunkanlage waren ein gewaltiger Schritt zur Modernisierung.

 Um den Kontakt zwischen den ehemaligen Absolventen und ihrer "alten" Schule zu pflegen, wurde auch der Erdberger Kollegentag gegründet. 

Im Zuge von Baggerarbeiten für den neuen Turnsaal im Juli 1951 entdeckte man Kriegsrelikt: eine 250 kg-Bombe, die glücklicherweise abtransportiert werden konnte, ohne Schaden anzurichten. Über dem Turnsaal entstand ein Festsaal,  im 2. Stock der Naturgeschichtssaal, und auch das Heizproblem wurde durch den Austausch der Öfen gegen eine Zentralheizung gelöst. Mit der Gleichenfeier am 6. Dez. 1951 waren die Wiederaufbauarbeiten praktisch abgeschlossen. 

Im April 1952 war dann der Rohbau des Festsaales über dem erneuertenTurnsaal fertig. Der Turnsaal selbst stand dann im Oktober für den Turnunterricht zur Verfügung. 

Die Ausgestaltung des Festsaales. der Ausbau der Bühne und die Installation der technischen Einrichtungen dauerten noch bis 1955. Am 5.März wurde der Festsaal feierlich eröffnet und seither finden hier Theaterabende und musikalische Darbietungen unserer Schüler statt, aber auch Vorträge, Podiumsdiskussionen und literarische Lesungen bieten Raum für großes Publikum.

Das Haus war nun wohlbestellt, 1959 feierte man - nach zwei Weltkriegen und der schwierigen Nachkriegszeit das 50-jährige Bestehen des RG3, 35 Lehrer unterrichteten 500 Schüler in 18 Klassen.

Die 60iger Jahre waren durch eine Bildungsexplosion gekennzeichnet, immer mehr Schüler drängten in die Mittelschulen, die durch das Schulgesetzwerk 1962 nun AHS hieß (Allgemeinbildende Höhere Schule) und aus zwei Schultypen bestand. Das RG3 wurde zu einem GRG3, man wählte zwischen Gymnasium mit dem Schwerkpunkt Sprachen und dem Realgymnasium mit dem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. 
Im Schuljahr 1972/73 startete die Schulbuchaktion, durch die allen Schülern vom Staat kostenfrei sämtliche Schulbücher des jeweiligen Schuljahres zur Verfügung gestellt wurden. Bisher hatte es die Schülerlade gegeben: Bücher wurden solange sie in brauchbarem Zustand waren mehrmals verliehen. Diese Aktion fand aber auch Kritik, da es sich zum Teil um sogenannte "Wegwerfbücher" handelte und das Staatsbudget stark belastet wurde. 

1984 wurde in gesellschaftlicher Hinsicht Neuland betreten. Am Sonntag dem 3. Februar fand zum ersten Mal das sog. "Opernbällchen" im Schwechaterhof (heute Galleria) statt. Lehrer und Eltern waren ebenso eingeladen wie die Schülerinnen des Mädchenrealgymnasiums im 3. Bezirk.

Die Generalsanierung unseres Turnsaales begann im Jänner 1977. Da keine Ausweichlokale zur Verfügung standen (ausgenommen für die ersten Klassen), nutzte man die Zeit des Umbaues für den Schwimmunterricht.

Ab dem Schuljahr 1979/80 wurden am GRGIII wieder Mädchen aufgenommen. Es waren 31 Schülerinnen in den ersten Klassen. Die Koedukation, die sich als unterrichtsfördernde Maßnahme erwies, wurde erneut aufgenommen. Vom Österreichischen Nationalrat wurde im Juni 1982 die 7. Schulorganisationsnovelle beschlossen, durch welche die Eigenständigkeit des 8-jährigen Gymnasiums und Realgymnasiums festgeschrieben wurde und das Typenangebot gewahrt blieb. Der Übertritt von der Hauptschule in AHS war weiterhin möglich. Am Leistllngssprinzip wurde nicht gerüttelt. Und der Lateinunterricht blieb im bisherigen Umfang unangetastet. Das Modell der integrierten Gesamtschule hatte sich nicht durchgesetzt, da sich die erhofften Unterrichtswunder nicht erfüllt hatten. Die Oberstufen-Schulversuche, die schon mehr als zehn Jahte gelaufen waren, hatten die in sie gesetzten Erwartungen nur zum Teil erfüllt. Zumindest konnte die Erprobung der Lehrpläne als vorteilhafte Erfahrung gewertet werden. 

Seit dem Schuljahr 1983/84 gibt es am GRGIII Informatikunterricht. Für dieses neue Unterrichtsfach standen zunächst 6 Geräte zur Verfügung, heute gibt es zwei Informatiksäle mit 31 Arbeitsplätzen, die nicht nur für den Informatikunterricht sondern auch in vielen anderen Gegenständen wichtiger Bestandteil des Unterricht gegworden sind. Zunächst wurde EDV als Freifach geführt, dann als verbindliche Übungen, schließlich wurde sie ein Pflichtfach (ab der 5. Kl.) und ein Wahlpflichtfach (von der 6. bis 8. KI.) und damit auch ein Maturafach. Schon ab der ersten Klasse wird der Computer mit altersgemäßen Programmen eingesetzt. 

Ende Dezember 1985 trat Hofrat Dir. Mag. Geiger, langjähriger Direkror der Schule, in den Ruhestand. 1m Jänner 1986 wurde Prof. Mag. Breyer zum neuen Direktor bestellt. OSTR Prof. Sabler führte die Administration noch bis zum Ende des Schuljahres und trat dann in den Ruhestand. Prof. Haid übernahm im September die Agenden des Administrators. 

1987 wurden neuerlich bauliche Veränderungen in Angriff genommen und 1989 mit einem  zweiten Turnsaal, neuen Räumen für Direktion und Administration und der Vergrößerung der Konferenzzimmers abgeschlossen. Über dem neuen Turnsaal wurde eine Terrasse errichtet und der Schulhof begrünt. 

Herr Dir. Mag. Breyer wurde mit 1. März 1989 zum Landesschulinspektor ernannt, und nach interimistischer Leitung von Prof. Fechter trat Frau Dir. Mag. Kschwendt-Michel im September 1990 die Leitung des GRG3 an. Unter ihrer Ägide wurde der Ausbau des Dachgeschoßes abgeschlossen. Hier wurden ein Zeichensaal, die Räume für Technisches und Textiles Werken sowie die Sammlung und der Brennofen für die von Schülern hergestellten Tongegenstände untergebracht.

Auf Grund der Verordnung des BMUkA vom 7. Juni wurde eine neue Reifeprüfungsordnung verfügt, die im Schuljahr 1992/93 zum ersten Mal zum Tragen kam. Vorgesehen waren zwei Varianten: 1) Reifeprüfung bestehend aus einer Hauptprüfung, die sich aus 4 Klausurarbeiten und 3 mündlichen Teilprüfungen zusammensetzt oder umgekehrt. Eine der mündlichen Teilprüfungen ist eine Schwerpunktsprüfung. Das heißt, sie besteht aus einer Kern-und Speziafrage sowie einer fächerübergreifenden Frage aus 2 Prüfungsgebieten oder aus einer vertiefenden Frage aus dem erweiterten Wahlpflichtgegenstand, 2) Reifeprüfung bestehend aus einer Vorprüfung - eine Neuerung, und einer Hauptprüfung. Die Vorprüfung ist eine Fachbereichsarbeit in Form einer schriftlichen Hausarbeit. Die Hauptprüfung setzt sich aus 3 schriftlichen Klausurarbeiten und 3 mündlichen Teilprüfungen zusammen, wobei eine der Teilprüfungen auf die Fachbereichsarbeit Bezug nimmt. Im Schuljahr 1990/91 wurden die Wahlpflichtfächer eingeführt. Die Schüler der 5. Klasse konnten nun nach eigenen Präferenzen Fächer wählen, in welchen sie vertiefenden Unterricht bekamen. 

Frau Dir. Kschwendt-Michel wurde mit I. Okrober 1994 zur Landesschulinspektorin ernannt und aus diesem Grunde im September 1995 von Hofrat Dr. Peter Abulesz als neuem Direktor abgelöst.

Mit Beginn des Schuljahres 1996/97 wurde das GRG3 gemeinsam mit einer anderen AHS als Pilotschule ausgesucht. Sie sollten den neuen Unrerstufenlehrplan 1999 erproben, wobei die Arbeit an einem Schulprogramm und die fächerübergreifende Teamarbeit Schwerpunkte waren. 

Im Oktober 1997 wurde der Betrieb der neuen Schulbibliothek aufgenommen, der bis heute nicht nur zum Austausch von Büchern sondern als sozialer Treffpunkt sowohl für Lehrer als auch für Schüler dient. 

Junge Historiker fanden bei der Ahnenforschung der Geschichte unserer Schule heraus, dass Helmut Qualtinger, Joe Zawinul, JosefTaus und Jura Soyfer Schüler unserer Anstalt gewesen waren. 

Über den schulischen Rahmen hinaus gab es immer wieder kreative Betätigungen, wozu sich das Haus beim "Wagenrad" wegen seiner intimen Atmospäre besonders gut eignet. Hier ist der von Pater Debray (Prof. u. OSTR. am GRGIII, jetzt im Ruhestand) gegründete Jugendklub beheimatet, zunächst im alten Fiakerhaus auf Dietrichgasse 47, das dem Neubau einer Wohnhausanlage weichen musste, und jetzt in einem Kellerlokal in der Wällischgasse.